____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Polytechnische Oberschule
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Die polytechnische Oberschule (AbkĂŒrzung POS) war die allgemeine Schulform im Schulsystem der DDR und umfasste zehn Klassen. Sie entstand 1959 aus einer Reform der achtjĂ€hrigen Grundschulen bzw. zehnjĂ€hrigen Mittelschulen. Konzeptionell handelte es sich um eine einheitliche zehnjĂ€hrige Gemeinschaftsschule ohne innere oder Ă€uĂere Differenzierung wĂ€hrend des regulĂ€ren Unterrichts, so dass der Klassenverband â abgesehen von AbiturabgĂ€ngern zur Erweiterten Oberschule (EOS) und zu den Spezialschulen unterschiedlicher Richtung â stabil ĂŒber alle Schuljahre erhalten blieb.
Contents
âą Geschichte
âą Unterstufe
âą Mittelstufe
âą Oberstufe
âą Schulabschluss
âą Spezialisierung
âą Literatur
âą Quellen
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Einschulung und Abschluss
Zur vorschulischen Erziehung sah der Gesetzgeber KindergĂ€rten und andere Einrichtungen vor, die örtlich organisiert wurden.cite-ref-1[1]cite-ref-2[2] Es bestand keine Pflicht zum Besuch dieser Einrichtungen als Kriterium fĂŒr die Einschulung in die POS. Der Besuch dieser Einrichtungen war vielmehr mit der sich entwickelnden BerufstĂ€tigkeit beider Elternteile notwendig fĂŒr die Betreuung der Kinder.
Die Einschulung in die POS erfolgte mit sechs oder sieben Jahren. Wer bis zum 31. Mai eines Jahrescite-ref-3[3] sechs Jahre alt wurde, wurde in demselben Jahr eingeschult, die spĂ€ter Geborenen im Folgejahr. Noch nicht schulreife Kinder konnten ein Jahr zurĂŒckgestellt werden. Auf Antrag der Eltern war auch eine Einschulung im selben Jahr fĂŒr bis zum 31. August Geborene möglich.
Der Abschluss der 10. Klasse einer POS berechtigte zur Aufnahme einer Berufsausbildung zum Facharbeiter in einem Betrieb und zum Fachschulstudium, sofern fĂŒr dieses keine abgeschlossene Berufsausbildung weitere Voraussetzung war.
Die Bezeichnung âpolytechnische Oberschuleâ und ihre Besonderheiten
Amtlich hieĂ die POS seit ihrer EinfĂŒhrung im Gesetz ĂŒber die sozialistische Entwicklung des Schulwesens 1959 zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule, verkĂŒrzt polytechnische Oberschule. Das Attribut polytechnisch wurde vorerst kleingeschrieben. Das Ministerium fĂŒr Volksbildung bezeichnete die POS in den amtlichen Dokumenten allerdings des Ăfteren uneindeutig als Oberschule. Mit dem Gesetz ĂŒber das einheitliche sozialistische Bildungssystem 1965 Ă€nderte sich der ministerielle Schriftgebrauch von polytechnische Oberschule in Polytechnische Oberschule.
Die komplexe Bezeichnung âzehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschuleâ enthielt bereits Teile der neuen Eigenschaften der Schule im Namen.
âą Das Attribut zehnklassig beschreibt die Schule als integrativen Schultyp ohne Gliederung und institutionelle Separation und Selektion, welcher die Klassen 1 bis 10 umfasste und somit eine vollausgebaute Schule ohne Mehrstufenklassen darstellte.
âą Das Attribut allgemeinbildend beschreibt die Ausrichtung der Schule. Das Ziel war eine moderne, allseitige Allgemeinbildung, die keine GeringschĂ€tzung bestimmter FĂ€chergruppen zulieĂ. Auch eine neigungsdifferenzierte Spezialisierung und damit Verengung der Schulbildung zum Beispiel in einem Kurssystem wurde abgelehnt.
âą Das Attribut polytechnisch beschreibt die Idee des allgegenwĂ€rtigen polytechnischen Unterrichts und die daraus folgende Verbindung von geistig-schöpferischem Denken und praktisch-produktiver Arbeit sowie gesellschaftlich-nĂŒtzlicher TĂ€tigkeit als grundlegendes Charakteristikum der Schule.
âą Der in der deutschen Bildungstradition herausgehobene Begriff der Oberschule stellte den kompliziertesten Bestandteil der Namensgebung dar. Eine Oberschule war eine höhere Lehranstalt. Eine höhere Schule lehrte höhere Bildung und wurde streng von der Grundschule und der Volksschule getrennt. Im engeren Sinne galten deswegen nur Gymnasien, Realgymnasien und seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Oberrealschulen als höhere Lehranstalt, die auĂerdem noch mit dem Abitur abschlossen. Oberschulen in diesem Sinne sowie dem gegliederten Schulsystem ĂŒberhaupt wurde von der politischen Linken der Vorwurf gemacht, zu selektiv und damit verbunden ungerecht zu sein und den unteren Schichten und den Ă€rmeren Milieus keinen oder nur sehr erschwert Zugang zu gewĂ€hren.
Die Einheitsschule in Form einer Oberschule zu konstruieren, bedeutete die Beendigung der institutionellen Trennung von Primar- und Sekundarbildung und dehnte eine Vielzahl der Lehrinhalte des Gymnasiums in die Klassen 1 bis 8 aus. Weil neben der polytechnischen Oberschule keine Grundschule und keine Mittelschule mehr existierte, erhielten auf diese Weise alle Kinder einheitlich Zugang zu oberschulischer Bildung, was eine bis heute einmalige VerĂ€nderung des Schulwesen auf deutschem Boden bedeutet. In der POS war aber anders als im Gymnasium nur eine Fremdsprache obligatorisch, dafĂŒr waren die Naturwissenschaften stĂ€rker vertreten.
Geschichte
Die EinfĂŒhrung der polytechnischen Oberschule als Schulform fĂ€llt in den Abschluss der Phase des Aufbaus der sozialistischen Schule (1949â1962). Sie ersetzte die bis dahin in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR als Einheitsschule existierende achtjĂ€hrige Grundschule.
PĂ€dagogische Grundlage fĂŒr die POS war das Konzept des polytechnischen Unterrichts, in dem sich idealerweise in allen FĂ€chern theoretisch-durchdringendes und praktisch-umgestaltendes Tun verbinden sollten. An der Konzeption beteiligte PĂ€dagogen der DDR formulierten dabei als Ziel, dass den SchĂŒlern âLiebe zur Arbeitâ nahegebracht werden sollte und dass man fĂ€cherĂŒbergreifend an Erfahrungen anknĂŒpfen werde, die die SchĂŒler wĂ€hrend des Unterrichtstages in der Produktion gesammelt haben wĂŒrden. In Vorbereitung auf die Etablierung der POS wurde zunĂ€chst ohne langen Vorlauf fĂŒr das Schuljahr 1958/59 eine neue Stundentafel eingefĂŒhrt, die das neue Schulfach EinfĂŒhrung in die sozialistische Produktion in Industrie und Landwirtschaft (ESP), verbunden mit wöchentlich einem Tag praktischen Unterrichts in der Produktion, enthielt.
Im Januar 1959 wurden auf einer Tagung des Zentralkomitees der SED die Thesen âĂber die sozialistische Entwicklung des Schulwesens in der Deutschen Demokratischen Republikâ verabschiedet, die noch einmal die Umgestaltung des Schulwesens im Sinne des polytechnischen Unterrichts bekrĂ€ftigten und sie programmatisch untermauerten: âEs geht darum, die Schule in organisatorischer Weise zur sozialistischen Schule umzuwandeln. [âŠ] Deshalb wird der Vorschlag unterbreitet, eine zehnklassige, allgemeinbildende polytechnische Oberschule aufzubauen.âcite-ref-4[4] Auf Grundlage dieser Thesen verabschiedet die Volkskammer am 2. Dezember 1959 das Gesetz ĂŒber die sozialistische Entwicklung des Schulwesens in der Deutschen Demokratischen Republik. Mit der GrĂŒndung der POS ging die Verabschiedung einer neuen Schulordnung am 12. November 1959 (die bereits die enge Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben regelt) einher.
Das Gesetz von 1959 garantierte auĂerdem in den zweisprachigen Teilen der Bezirke Cottbus und Dresden Unterricht an den betreffenden POS auch in sorbischer Sprache.cite-ref-5[5]
ZunĂ€chst umfasste das Regelsystem der POS nur die Klassen eins bis acht, das bedeutete, dass die nach und nach eingefĂŒhrte 9. und 10. Klasse nicht zur Regelschulzeit zĂ€hlte. Insbesondere in StĂ€dten gab es diese Klassenstufen, wenn auch nicht in jeder Schule. Erst Anfang der 1970er Jahre wurde mit einer nochmals umfassenden Neustrukturierung des Bildungssystems der DDR die Regelschulzeit auf 10 Jahre verlĂ€ngert, womit auch die Klassen 9 und 10 in die POS integriert wurden.
Der innere Aufbau der POS
Die POS wurde nach innen in eine Reihe von Stufen gegliedert. Dieses Stufensystem erfuhr mehrmals eine Ănderung in den verschiedenen Perioden der DDR-Bildungspolitik. Generell ist es nicht mit den Schulstufen der westdeutschen Schule vergleichbar, weder vom Ansatz her noch in den Bezeichnungen. Das Stufensystem war zunĂ€chst eine Erscheinung aus vergangener Weimarer Schultradition, ohne im Schulalltag irgendwie konkret institutionalisiert zu sein, denn bereits die Auflösung des gegliederten Schulsystems 1946 schuf eine einheitliche achtklassige Schule. Somit diente das Stufensystem als Verfeinerung auf dem Papier und in den LehrplĂ€nen, um die Verwaltungsarbeit, die Steuerung des Lehrplanes, die Organisation der Stundentafel und des Unterrichtes pragmatischer und leichter gestalten zu können. 1982 verschwand die Stufung de facto völlig, und es existierte nur noch eine in allen Aspekten von Klasse 1 bis 10 âorganisch gelenkte Oberschule fĂŒr alle Kinderâ. Im engeren Sinne zeigte das Stufensystem deutlich die reformpĂ€dagogischen EinflĂŒsse, die in der polytechnischen Oberschule existierten, denn die LehrplĂ€ne und die Konzeption der Stufen beachteten die Spezifik des Ălterwerdens und der Entwicklung der Kinder, so dass eine kindgerechte und dem Kind zugewandte Bildungs- und Erziehungsarbeit gewahrt werden sollte.
Unterstufe
Die Unterstufe umfasste
âą von 1946 bis 1970 die Klassen 1 bis 4,
âą mit Ende der EinfĂŒhrung des neuen Lehrplanwerks 1971 die Klassen 1 bis 3.
Gelehrt wurden neben deutscher Sprache und Literatur, Heimatkunde, Rechnen bzw. Mathematik auch die musischen FĂ€cher Zeichnen und Musik sowie das Fach Körpererziehung bzw. Sport. Die polytechnischen FĂ€cher der Unterstufe waren Schulgarten, Werken und Nadelarbeit. Den NĂ€hunterricht gab es pflichtmĂ€Ăig fĂŒr MĂ€dchen und Jungen in der 3. und 4. Klasse; ab Anfang der 1980er Jahre jedoch nur noch als fakultativen Unterricht. In der 1. Klasse wurde auĂerdem das Fach Schönschreiben zur EinĂŒbung der Schreibschrift gegeben.
Der Unterricht wurde in der Regel durch Lehrer fĂŒr die unteren Klassen (âUnterstufenlehrerâ) nach dem Klassenlehrer- und Klassenleiterprinzip abgedeckt, d. h., die FĂ€cher Deutsch (mit den LehrgĂ€ngen Lesen, Schreiben, Rechtschreibung und Grammatik, mĂŒndlicher und schriftlicher Ausdruck und Heimatkunde), Mathematik wurden von einem einzigen Lehrer gegeben, der einen Klassenverband auf diese Weise von der 1. bis zur 4. Klasse begleitete. DarĂŒber hinaus hatte jeder Lehrer fĂŒr eines oder mehrere der FĂ€cher Schulgarten, Werken, Kunsterziehung, Musik oder Sport eine Spezialisierung, in der er mehrere Unterstufenklassen unterrichtete. Die Unterstufenlehrer erhielten in der DDR eine stark pĂ€dagogisch-praktisch orientierte Ausbildung an den Instituten fĂŒr Lehrerbildung (IfL) und unterrichteten in den Klassen 1 bis 4. Sie bekamen neben der pĂ€dagogischen und psychologischen sowie auf Methodik ausgerichteten Ausbildung in den FĂ€chern Mathematik und Deutsch auch eine gleichberechtigte Drittfachausbildung fĂŒr Sport, Werken, Kunsterziehung, Schulgarten oder Musik. Die fĂŒr das Fach Werken ausgebildeten Unterstufenlehrer erhielten im Unterschied zu den anderen FĂ€chern die BefĂ€higung, in diesem Fach SchĂŒler bis zur 6. Klasse zu unterrichten. DafĂŒr wurden spezielle RĂ€umlichkeiten fĂŒr die unterschiedlichen handwerklichen, kĂŒnstlerischen sowie theoretischen Arbeiten eingerichtet.
Teil des Sportunterrichts oder der Ferienbetreuung war entsprechend den örtlichen Möglichkeiten bereits in der Unterstufe, typischerweise in der 3. Klasse, der Schwimmunterricht und vereinzelt auch der Eislaufunterricht. Da Schwimmen ab der 5. Klasse als Teilnote mit in die Sportnote einging, wurde es den SchĂŒlern schulischerseits spĂ€testens in der 4. Klasse ermöglicht, das Schwimmen zu erlernen. Das geschah entweder wĂ€hrend des Sportunterrichts oder in mehrtĂ€gigen LehrgĂ€ngen wĂ€hrend der Schulferien (âSchwimmlagerâ). Um das kommunal orientierte Schulnetz zu stĂ€rken, das 1988 auch in vielen 1000-Einwohner-Dörfern eine (oft einzĂŒgige) Oberschule unterhielt und deswegen in der Bevölkerung enormen Zuspruch und RĂŒckhalt genoss, forcierte die DDR vor allem auf dem Lande den Bau eines einheitlichen Turnhallen- und SchwimmhallengebĂ€udetyps (25-m-Becken). Planungen sahen vor, mittelfristig (ca. Ende der 1990er Jahre) jeder Schule eine eigene, direkt angeschlossene Turnhalle zu bauen und mittels gĂŒnstiger Standortwahl unproblematischen Zugang zu Schwimmhallen zu ermöglichen. Vor allem in den sĂŒdlichen Bezirken der DDR und in der Oberlausitz war dieses Ziel bereits Ende der 1980er so gut wie erreicht, so dass dort umfangreicher Sportunterricht im Turnen und Schwimmen die NormalitĂ€t war.
Viele Kinder der Unterstufe besuchten nach dem Unterricht den Hort, den es an jeder Schule gab und der die Hauptform der Nachmittagsbetreuung fĂŒr Schulkinder in der DDR war. Die Kinder wurden teilweise im selben Raum betreut, in dem sie vormittags Unterricht hatten, es gab jedoch hĂ€ufig eigenstĂ€ndige Hortanlagen auĂerhalb der Schulen oder in separaten FlĂŒgeln der SchulgebĂ€ude. Die Erzieher, die ebenfalls ein Fachschulstudium an den Instituten fĂŒr Lehrerbildung bzw. den pĂ€dagogischen Instituten absolviert hatten und im Grunde Lehrer fĂŒr ein Fach der Unterstufe darstellten, arbeiteten eng mit dem Klassenleiter zusammen, so dass nachmittĂ€glich auf Defizite und Stoffprobleme von SchĂŒlern eingegangen werden konnte. Diese Kooperation von Lehrer bzw. Klassenleiter und Erzieher bremste einerseits nicht den straffen Fachunterricht der Einheitsschule und bot andererseits genĂŒgend Raum, zurĂŒckbleibende SchĂŒler frĂŒhzeitig auszumachen und dann koordiniert bzw. gezielt fördern zu können. Die MaĂnahmen geschahen in Beratung mit den Eltern, die ĂŒber die aufgestellte, planmĂ€Ăige Förderung informiert wurden. Als Indikator galten DDR-typisch der Zensurendurchschnitt und das gemeinschaftliche Verhalten der UnterstufenschĂŒler.
In der Unterstufe setzten seit Anfang der 1950er Jahre auch Interessenszirkel und Arbeitsgemeinschaften ein, die den Kindern am Nachmittag eine reichhaltige und breitgefĂ€cherte Freizeitgestaltung boten. Neben verschiedenen sportlichen Angeboten gab es vor allem Arbeitsgemeinschaften musischer Ausrichtung, d. h. Kunst, Musik, Bildhauerei, und solche fĂŒr Mathematik-Naturwissenschaften-Technik.
Mit der Schule zumeist eng verwoben war die Mitgliedschaft in der Pionierorganisation Ernst ThĂ€lmann, in die die meisten SchĂŒler zumeist in einer von der Schule organisierten Feierstunde wĂ€hrend der 1. Klasse als Jungpioniere eintraten, deren Ă€uĂeres Merkmal dann ein fĂŒr festliche AnlĂ€sse zu tragendes blaues Halstuch war. Ab der vierten Klasse begann die zweite Stufe des Pionierseins, das der ThĂ€lmann-Pioniere, deren unterscheidbares Merkmal neben der Pionierkleidung ab 1973 ein rotes Halstuch war. Dieses Halstuch wurde bis einschlieĂlich zur 7. Klasse getragen. Zu den regelmĂ€Ăigen Programmen gehörten neben Pioniernachmittagen das Erstellen von Wandzeitungen zu verschiedenen AnlĂ€ssen, Unterschriftensammlungen fĂŒr politisch inhaftierte Menschen wie beispielsweise Nelson Mandela und Angela Davis, aber auch die Teilnahme an nachmittĂ€glichen Altstoffsammlungen als Spendenaktionen. Mitunter war es aber auch nur ein geselliges Zusammensein auĂerhalb des Unterrichts. Die Einbeziehung gesellschaftlicher Organisationen wie die der Pioniere und spĂ€ter der FDJ in das Schulleben war gesetzlich verankert.cite-ref-6[6]
Mittelstufe
Die Mittelstufe begann formal mit der 4. Klasse. Die 4. Klasse sollte eine BrĂŒckenfunktion zwischen Unterstufe und Mittelstufe ĂŒbernehmen und die SchĂŒler auf die ausdifferenzierten UnterrichtsfĂ€cher sowie auf ihre erste Fremdsprache vorbereiten. In den Schulen unterschied sie sich aber inhaltlich nicht von der Unterstufe. Auch unterrichteten die Unterstufenlehrer bis zur 4. Klasse, so dass praktisch die Mittelstufe erst mit der 5. Klasse anfing.
Mit der Neustrukturierung des Bildungssystems in den spĂ€teren 1970er Jahren und der Abkehr von den Stufen entfiel auch die Mittelstufe als solche. Das Lehrplanwerk etablierte endgĂŒltig eine einheitliche, organische LinienfĂŒhrung des Fachunterrichtes von Klasse 1 bis 10, so dass die Kinder nicht mehr in ĂbergĂ€ngen von Stufe zu Stufe, sondern flieĂend von Klasse zu Klasse gesehen werden sollten. Allerdings wurden weiterhin die Eigenheiten des Bildungs- und Erziehungsprozesses in den unteren Klassen betont und gesondert im Lehrplanwerk erlĂ€utert. Indes erfolgte eine sukzessive Gleichstellung der Lehrer fĂŒr die unteren Klassen mit den Diplomlehrern, da das Fachschulstudium zum Unterstufenlehrer auf fĂŒnf Jahre ausgebaut wurde.
Ab Klasse 5 setzte das Fachlehrerprinzip ein; der Lehrplan sah Unterricht in den FĂ€chern Deutsche Sprache und Literatur, Mathematik, Biologie und Geographie, Werken, Geschichte, Kunsterziehung, Musik und Sport vor, ab der 6. Klasse auĂerdem Physik.
Ab 1951 war Russisch fĂŒr alle SchĂŒler die erste Fremdsprache, vorher konnten die SchĂŒler zwischen Englisch, Französisch und Russisch als Fremdsprache wĂ€hlen. Diese Wahlmöglichkeit bestand jedoch nur auf dem Papier, da nach dem Zweiten Weltkrieg nicht genĂŒgend ausgebildete Lehrer existierten, um dieses Angebot ĂŒberall zu gewĂ€hrleisten.cite-ref-7[7] Werken wurde als Unterrichtsfach bis zur 6. Klasse aus der Unterstufe ĂŒbernommen und meist von ausgebildeten Unterstufenlehrern unterrichtet. Der heimatkundliche Deutschunterricht begann eine zunehmende Integration der Teildisziplinen und enthielt noch die LehrgĂ€nge Grammatik und Orthographie, mĂŒndlicher und schriftlicher Ausdruck sowie Literatur.
Oberstufe
Die Oberstufe umfasste im Sprachgebrauch der DDR die Klassen nach der Unterstufe und vor der Abiturstufe. Das Aufkommen der Mittelstufe 1971 weichte dies auf, doch mit der abermaligen Reform des Lehrplanwerkes 1982/90 entfiel die Bezeichnung zusammen mit den anderen. In der Oberstufe war der naturwissenschaftliche Unterricht voll ausgebaut; in der 7. Klasse kam Chemie als vierte Naturwissenschaft hinzu. Der beliebte Astronomieunterricht vervollstÀndigte in der 10. Klasse die Stundentafel.
Der polytechnische Unterricht erreichte ebenfalls den höchsten Ausbau. Werken fiel fort; neben TZ (Technisches Zeichnen) wurden ESP (EinfĂŒhrung in die sozialistische Produktion: Konstruktion, Mechanik, Maschinenbau, Elektronik, Mikroelektronik) und UTP (Unterrichtstag in der Produktion) erteilt. UTP wurde ab 1971 PA (Produktive Arbeit) genannt. Das Lehrplanwerk von 1959 unterschied umfassend in Land- und Stadtschulen, sodass zwei verschiedene Ausrichtungen existierten: industriell-schwerindustriell und agrartechnisch. Der PA-Unterricht variierte somit je nach örtlichen Gegebenheiten. WĂ€hrend die SchĂŒler in stĂ€dtischen Gebieten in Industriebetrieben handwerklich geschult, in industrieller Massenfertigung, Maschinenkunde und Automatisierungstechnik unterwiesen wurden und in den oberen Klassen der Oberstufe auch EinsĂ€tze in der realen Produktion hatten, konnten SchĂŒler in lĂ€ndlichen Gebieten in der landwirtschaftlichen Produktion oder der Agrochemie arbeiten. Das Traktor- oder MĂ€hdrescherfahren zu lernen, war in der LPG bzw. MTS ebenfalls möglich, sodass die PA auch maschinisierte TĂ€tigkeiten der Feldarbeit umfassen konnte. In den spĂ€ten 1980er-Jahren kam Unterricht in Rechen- und Informationstechnik/Informatik hinzu, wo Grundkenntnisse der Mikrocomputertechnik und in der BASIC-Programmierung vermittelt wurden. Die Einbindung der Informationstechnologien geschah im Vergleich zur Bundesrepublik defensiv. Der fakultative Unterricht in Informatik sollte Anfang der 1990er-Jahre in einen obligaten, regulĂ€ren Unterricht umgebaut werden. An der EOS geschah dies bereits ab dem Schuljahr 1989/90.
Ebenfalls konnte eine weitere Fremdsprache fakultativ belegt werden. FĂŒr den Wechsel zur EOS war diese notwendig, so dass SchĂŒler, die sich Chancen auf die Zulassung zur EOS ausrechneten und das Abitur ablegen wollten, diesen fakultativen Unterricht auf jeden Fall besuchten. Auch andere SchĂŒler konnten die zweite Fremdsprache wĂ€hlen; allerdings wurde SchĂŒlern mit groĂen Problemen in Deutsch oder Russisch die Teilnahme erschwert oder in der Regel ganz verwehrt. Das Angebot zur zweiten Fremdsprache war beliebt und gut frequentiert.
Die meisten Schulen boten als zweite Fremdsprache Englisch an, einige auch Französisch oder sehr selten Spanisch. Mehrere zweite Fremdsprachen parallel wurden kaum angeboten. Dies ist zum einen mit einem Mangel an Französischlehrern zu begrĂŒnden, zum anderen damit, dass die Englischkurse viel beliebter waren. In den 1980er-Jahren stieg der Anteil der SchĂŒler, die Englisch als zweite Fremdsprache lernten, auf ĂŒber 70 % an.cite-ref-8[8] Da aber etwa 15 % der Abiturienten Grundkenntnisse in Französisch besitzen sollten, wurde deshalb an den sogenannten Französisch-Schulen hĂ€ufig kein Englisch gelehrt. Die SchĂŒler, die spĂ€ter das Abitur ablegen wollten, mussten somit Französisch als zweite Fremdsprache lernen oder die Schule wechseln. Um den Klassenverband zu erhalten, wurde die zweite Fremdsprache in einer Randstunde â am Nachmittag oder auch in einer sogenannten nullten Stunde, das heiĂt vor Beginn des eigentlichen Unterrichts â gelehrt. Das DDR-Bildungsfernsehen hatte dazu eigens eine Sendereihe English for you aufgelegt, die am frĂŒhen Nachmittag gesendet wurde.
Ab der 9. Klasse wurde seit 1978 das obligatorische, aber nicht benotete Fach Wehrunterricht â zumeist als Blockveranstaltung â gelehrt. Dieses beinhaltete eine vormilitĂ€rische Ausbildung in Form von Unterricht ĂŒber die Grundlagen der âsozialistischen Landesverteidigungâ, der teilweise von NVA-Offizieren gehalten wurde. Der Unterricht beinhaltete am Ende der 9. Klasse ein zweiwöchiges Wehrlager fĂŒr die Jungen und einen Lehrgang in Zivilverteidigung (unter anderem Ausbildung in Erster Hilfe) fĂŒr die MĂ€dchen und diejenigen Jungen, die nicht in das Wehrlager fuhren. Dies war in den ersten Jahren noch die Mehrheit der Jungen, da es noch nicht genug PlĂ€tze im Wehrlager gab. Gegen Ende der DDR-Zeit nahmen fast alle Jungen am Wehrlager teil. Diese wurden gröĂtenteils auf den Anlagen und mit AusrĂŒstungsgegenstĂ€nden der Gesellschaft fĂŒr Sport und Technik durchgefĂŒhrt. Die Struktur in den Wehrlagern Ă€hnelte sehr der einer militĂ€rischen Einheit. Als GruppenfĂŒhrer wurden vorwiegend SchĂŒler, die den Offiziers- oder Unteroffiziersberuf ergreifen wollten, und als ZugfĂŒhrer zumeist OffiziersschĂŒler der NVA eingesetzt.
In der 8. Klasse erfolgte fĂŒr die Mehrheit der Jugendlichen der Wechsel von den ThĂ€lmann-Pionieren zur einzigen staatlichen Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ), ebenso wie die staatlich organisierte Jugendweihe mit 14 Jahren. Bereits in der 7. Klasse fanden monatlich Vorbereitungsstunden fĂŒr die Aufnahme in die FDJ statt. Die oberen Klassen der Oberstufe boten den SchĂŒlern seit Ende der 1970er-Jahre darĂŒber hinaus differenzierende WahlfĂ€cher an, die den Neigungen und Interessen der SchĂŒler gröĂeren Raum bieten sollten.
Unterricht und Stundentafel
Stundentafel fĂŒr die zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule 1959
angewiesen incite-ref-9[9]
| Klasse | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Obligatorischer Unterricht | Obligatorischer Unterricht | Obligatorischer Unterricht | Obligatorischer Unterricht | Obligatorischer Unterricht | Obligatorischer Unterricht | Obligatorischer Unterricht | Obligatorischer Unterricht | Obligatorischer Unterricht | Obligatorischer Unterricht | Obligatorischer Unterricht | Obligatorischer Unterricht |
| Deutsche Sprache und Literatur | 9 | 12 | 14 | 16 | 7 | 6 | 5 | 5 | 5 | 4 | |
| Russisch | â | â | â | â | 6 | 5 | 4 | 3 | 3 | 3 | |
| Mathematik | 6 | 6 | 6 | 6 | 6 | 6 | 6 | 5 | 5 | 5 | |
| Physik | â | â | â | â | â | 3 | 3 | 3 | 3 | 4 | |
| Chemie | â | â | â | â | â | â | 2 | 3 | 3 | 4 | |
| Biologie | â | â | â | â | 3 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | |
| Geographie | â | â | â | â | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 1 | |
| Astronomie | â | â | â | â | â | â | â | â | â | 1 | |
| Technisches Zeichnen | â | â | â | â | â | â | 1 | 1 | 1 | - | |
| ESP und UTP | â | â | â | â | â | â | 3 | 4 | 4 | 4 | |
| Werken | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | â | â | â | â | |
| Nadelarbeit | â | â | 1 | 1 | â | â | â | â | â | â | |
| Geschichte | â | â | â | â | 1 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | |
| StaatsbĂŒrgerkunde | â | â | â | â | â | â | 1 | 1 | 1 | 2 | |
| Kunsterziehung | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | â | |
| Musik | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | |
| Turnen | 2 | 2 | 3 | 3 | 3 | 3 | 2 | 2 | 2 | 2 | |
| Pflichtwochenstunden | 21 | 24 | 28 | 30 | 32 | 33 | 35 | 35 | 35 | 36 | |
| | | | | | | | | | | | |
| Fakultativer Unterricht | Fakultativer Unterricht | Fakultativer Unterricht | Fakultativer Unterricht | Fakultativer Unterricht | Fakultativer Unterricht | Fakultativer Unterricht | Fakultativer Unterricht | Fakultativer Unterricht | Fakultativer Unterricht | Fakultativer Unterricht | Fakultativer Unterricht |
| 2. Fremdsprache | â | â | â | â | â | â | 4 | 4 | 3 | 2 | |
| Nadelarbeit | â | â | â | â | 1 | 1 | â | â | â | â | |
| Wochenstunden höchstens | 21 | 24 | 28 | 30 | 33 | 34 | 39 | 39 | 38 | 38 | |
| | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 1-10 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| % Geisteswissenschaften | 55,0 | 60,9 | 59,3 | 60,0 | 50,0 | 45,5 | 38,2 | 35,3 | 37,1 | 33,3 | 46,1 |
| % MNT | 35,0 | 30,4 | 29,6 | 30,0 | 40,6 | 45,5 | 55,9 | 58,8 | 57,1 | 61,1 | 46,1 |
| % Körpererziehung | 10,0 | 8,7 | 11,1 | 10,0 | 9,4 | 9,1 | 5,9 | 5,9 | 5,7 | 5,6 | 7,9 |
Wie der Stundentafel entnommen werden kann, wurden im Vergleich zum zeitgenössischen und zum heutigen Schulsystem der Bundesrepublik Deutschland deutlich höhere WochenstundenumfĂ€nge erteilt. Der Sonnabend als regulĂ€rer Unterrichtstag ermöglichte es, dass selbst in den höheren Klassen kaum langer Nachmittagsunterricht stattzufinden brauchte und die OberstufenschĂŒler an den Nachmittagsarbeitsgemeinschaften und -interessenszirkeln partizipieren konnten.
Die deutsche Sprache wurde in der Unterstufe besonders intensiv unterrichtet, was es zulieĂ, die sprachlogischen LehrgĂ€nge in Orthographie und Grammatik vor der 10. Klasse abschlieĂen zu können. Dies sicherte Raum fĂŒr ein breites Repertoire von Literatur und schuf wegen der geringeren Wochenstundenzahl Raum fĂŒr andere FĂ€cher. AuĂerdem kam der Mathematik eine zentrale Rolle zu. Des Weiteren stechen die besonders hohen Stundenzahlen fĂŒr die Naturwissenschaften, allen voran Physik und Chemie, hervor. Walter Ulbricht Ă€uĂerte sich mehrmals zur wichtigen Rolle des Chemieunterrichts, da die chemische Industrie ein fĂŒhrender Wirtschaftszweig der DDR war und das Chemieingenieurwesen zur BewĂ€ltigung der âwissenschaftlich-technischen Revolutionâ als unabdingbar angesehen wurde.cite-ref-10[10] Geographie gehörte zu den Naturwissenschaften, da die Inhalte der physischen Geographie die ökonomische und politische Geographie ĂŒberwogen. Die Polytechnik als Kernelement der Oberschule war Bestandteil des Unterrichts von der 1. bis zur 10. Klasse und avancierte ab der 7. Klasse neben der Mathematik zum wichtigsten Fach.
Es ist auch ersichtlich, dass im Gegensatz zu den heutigen Gepflogenheiten fast aller BundeslĂ€nder die einmal eingefĂŒhrten FĂ€cher grundsĂ€tzlich durchgĂ€ngig unterrichtet und nicht schuljahresweise ausgesetzt wurden.
Die Proportionen des Fachunterrichts zeigen insgesamt ein Gleichgewicht der geisteswissenschaftlichen FĂ€cher und der mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen FĂ€cher (MNT-FĂ€cher). Allerdings war der Unterricht in diesen FĂ€chergruppen nicht gleichmĂ€Ăig verteilt, sondern in der Unterstufe ĂŒberwog der Deutschunterricht, wĂ€hrend in der Oberstufe die MNT-FĂ€cher den Schwerpunkt bildeten. Das Schwergewicht der âOberschulbildung fĂŒr alle Kinderâ lag nach der grĂŒndlichen und umfassenden Beherrschung der deutschen Sprache verbindlich auf Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. Dies steht der seit 1958 gĂŒltigen Linie des gegliederten westdeutschen Schulsystems diametral gegenĂŒber.cite-ref-11[11]
Einige Dinge wurden in verschiedenen Klassenstufen wiederholend und erweiternd behandelt. So wurde z. B. die GrĂŒndung der DDR dreimal behandelt, einmal im Geographie-Unterricht der 5. Klasse, dann im StaatsbĂŒrgerkunde-Unterricht der 7. Klasse und noch einmal im Geschichts-Unterricht der 10. Klasse.
Stundentafel fĂŒr die zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule 1971
| Klasse | 1 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Klasse | 1. Hj | 2. Hj | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | |
| Deutsche Sprache und Literatur | 11 | 10 | 12 | 14 | 14 | 7 | 6 | 5 | 4+1 | 3+1 | 3 | |
| Russisch | â | â | â | â | â | 6 | 5 | 3 | 3 | 3 | 3 | |
| Mathematik | 5 | 5 | 6 | 6 | 6 | 6 | 6 | 6 | 4 | 5 | 4 | |
| Physik | â | â | â | â | â | â | 3 | 2 | 2 | 3 | 3 | |
| Chemie | â | â | â | â | â | â | â | 2 | 4 | 2 | 2 | |
| Biologie | â | â | â | â | â | 2 | 2 | 1 | 2 | 2 | 2 | |
| Geographie | â | â | â | â | â | 2 | 2 | 2 | 2 | 1 | 2 | |
| Astronomie | â | â | â | â | â | â | â | â | â | â | 1 | |
| Polytechnik | â | â | â | â | â | â | â | 4 | 4 | 5 | 5 | |
| davon ...... TZ | â | â | â | â | â | â | â | (1) | (1) | â | â | |
| davon ⊠ESP | â | â | â | â | â | â | â | (1) | (1) | (2) | (2) | |
| davon ...... PA | â | â | â | â | â | â | â | (2) | (2) | (3) | (3) | |
| Werken | 1 | 1 | 1 | 1 | 2 | 2 | 2 | â | â | â | â | |
| Schulgarten | â | 1 | 1 | 1 | 1 | â | â | â | â | â | â | |
| Geschichte | â | â | â | â | â | 1 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | |
| StaatsbĂŒrgerkunde | â | â | â | â | â | â | â | 1 | 1 | 1 | 2 | |
| Kunsterziehung | 1 | 1 | 1 | 1 | 2 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | â | |
| Musik | 1 | 1 | 1 | 2 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | |
| Sport | 2 | 2 | 2 | 2 | 3 | 3 | 3 | 2 | 2 | 2 | 2 | |
| Pflichtwochenstunden | 21 | 21 | 24 | 27 | 29 | 31 | 33 | 32 | 32+1 | 31+1 | 32 | |
| fakultativ | fakultativ | fakultativ | fakultativ | fakultativ | fakultativ | fakultativ | fakultativ | fakultativ | fakultativ | fakultativ | fakultativ | fakultativ |
| 2. Fremdsprache | â | â | â | â | â | â | â | 3 | 3 | 3 | 2 | |
| fakultative Kurse nach Rahmenprogramm(*) | â | â | â | â | â | â | â | â | â | 2 | 2 | |
| Nadelarbeit | â | â | â | â | 1 | 1 | â | â | â | â | â | |
| Wochenstunden höchstens | 21 | 21 | 24 | 27 | 30 | 32 | 33 | 35 | 35+1 | 34+1 | 34 | |
Diese Stundentafel blieb bis 1989 in Kraft. Sie wurde lediglich dahingehend modifiziert, dass zu Beginn der 1980er Jahre die fakultativen Kurse nach Rahmenprogramm in der 9. und 10. Klasse der Oberstufe einsetzten und die ursprĂŒnglich als Reservestunde gedachte zusĂ€tzliche Unterrichtsstunde im Fach Deutsch fĂŒr die 8. und 9. Klasse permanent eingebunden wurde.
Fakultativer Unterricht
Der fakultative Kursunterricht wurde Ende der 1960er Jahre als Ansatz der Differenzierung konzipiert und konnte von den SchĂŒlern der Oberstufe in den Klassen 9 und 10 wahrgenommen werden. HierfĂŒr wurde zunĂ€chst eine groĂe Zahl von Arbeitsgemeinschaften nach allgemein verbindlichen Rahmenprogrammen (AGR) geschaffen, die den obligatorischen Unterricht als erweiternde oder vertiefende LehrgĂ€nge ergĂ€nzen sollten. Wie in der Einheitsschule der DDR ĂŒblich, waren diese Zusatzkurse mit verwandten PflichtfĂ€chern der Stundentafel didaktisch-methodisch weitreichend verzahnt. Der fakultative Unterricht sollte dazu dienen, den verschiedenen Interessen und Neigungen der Ă€lteren OberschĂŒler gerecht zu werden. Zugleich sollte gesteigerter Wert auf selbststĂ€ndiges Lernen und wissenschaftliche Stoffaneignung gelegt werden, die die SchĂŒler befĂ€higen sollten, mit dem prinzipiellen Erkennen und Lösen von anspruchsvollen Problemen vertraut zu werden.
Einige Beispiele, welche Rahmenprogramme unter anderem fĂŒr Arbeitsgemeinschaften in der Schulpraxis zur VerfĂŒgung standen:
âą Ăber den atomaren Aufbau der Stoffe, Bodenfruchtbarkeit, Mikrobiologie, Agrochemie, Chemie des Wassers, Chemie des Erdöls, Chemie der Metalle, Angewandte Chemie, Astronautik, Astronomie, Chemische Technologie, Metallurgie, Maschinenbau, Bauwesen, Instandsetzung, Elektronische Datenverarbeitung, Elektronik, BMSR-Technik, Tier- und Futterproduktion
⹠Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Musik, Literatur, Architektur, Sozialistische Architektur in der DDR, Umweltgestaltung, AusgewÀhlte Bereiche der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Grundfragen der marxistisch-leninistischen Philosophie
Anfang der 1980er Jahre wurden die Arbeitsgemeinschaften strenger systematisiert und unter der neuen Bezeichnung als fakultative Kurse nach Rahmenprogramm auf ein ĂŒberschaubares MaĂ von zweiundzwanzig LehrgĂ€ngen reduziert:
âą Mathematik
âą Informatik
âą Elektronik
âą Technische Anwendungen der Physik
âą Astronomie und Raumfahrt
âą Chemie des Wassers
âą Mikrobiologie
âą Informationsverarbeitung und ProzeĂautomatisierung
âą Kfz-Technik
âą Heimatliches Territorium
âą Sozialistische Landeskultur
âą EinfĂŒhrung in grundlegende Fragen der marxistisch-leninistischen Philosophie
⹠AusgewÀhlte Probleme der internationalen Politik der Gegenwart
⹠AusgewÀhlte Bereiche der Geschichte der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung
âą Zur Entstehung und Entwicklung des sozialistischen Weltsystems
âą Forschen â Entwickeln â Gestalten
âą Kochen â Servieren
âą NĂ€hen â Maschinelles Stricken
âą Literatur
âą Musik
âą Kunsterziehung
âą Russische Konversation.
Die SchĂŒler waren verpflichtet, mindestens einen solchen fakultativen Kurs zu besuchen.
Schulabschluss
Das Wort Schulabschluss stand ab 1959 in der Einheitsschule der DDR synonym fĂŒr das erfolgreiche Absolvieren der 10. Klasse der polytechnischen Oberschule. In einer Woche legten die SchĂŒler eine zentrale AbschlussprĂŒfung ab. Diese bestand aus vier in der gesamten DDR einheitlichen schriftlichen PrĂŒfungen:
âą Deutsche Sprache und Literatur
âą Mathematik
âą Naturwissenschaft
âą Fremdsprache (Russisch)
Die Organisation der PrĂŒfungswochen Ă€nderte sich mehrfach. In den 1960er Jahren mussten die PrĂŒfungsarbeiten in Deutsch, Mathematik und der Naturwissenschaft an drei aufeinanderfolgenden Tagen von Montag bis Mittwoch bestritten werden. Die RussischprĂŒfung erfolgte eine Woche spĂ€ter. SpĂ€ter wurde dies etwas entzerrt. WĂ€hrend die PrĂŒfungen in Mathematik, Deutsch und Naturwissenschaft in einer Woche verblieben, wenn auch mit jeweils einem freien Tag dazwischen, fand die RussischprĂŒfung bereits einige Monate vorher statt. In den 1960er Jahren durfte die Naturwissenschaft vom SchĂŒler frei aus einem der FĂ€cher Physik, Chemie und Biologie gewĂ€hlt werden. SpĂ€ter wurde nur eine verminderte Wahlfreiheit zugestanden: FĂŒr jede AbschlussprĂŒfung gab das Ministerium fĂŒr Volksbildung zwei der drei naturwissenschaftlichen FĂ€cher nach einer speziellen Rotation vor. Zum Beispiel PhysikâChemie, im darauffolgenden Jahr ChemieâBiologie, im darauffolgenden Jahr BiologieâPhysik und so fort. Dieses Muster wurde erst in den 1980er Jahren wieder aufgegeben.
ZusĂ€tzlich musste jeder SchĂŒler die SportprĂŒfung absolvieren.
Einige Wochen nach den schriftlichen PrĂŒfungen erfolgten die mĂŒndlichen PrĂŒfungen. Obligatorisch musste jeder SchĂŒler zwei mĂŒndliche PrĂŒfungen absolvieren, maximal konnten fĂŒnf mĂŒndliche PrĂŒfungen stattfinden. Wie viele FĂ€cher und welche FĂ€cher geprĂŒft wurden, wurde von der Lehrerkonferenz fĂŒr jeden SchĂŒler individuell festgelegt. In der Regel wurde ein SchĂŒler in FĂ€chern geprĂŒft, in denen die Zensuren keine eindeutige Bewertung ermöglichten, es konnten aber auch WĂŒnsche der SchĂŒler berĂŒcksichtigt werden. Ein Einspruchsrecht der SchĂŒler gab es nicht.
In die Zeugnisnote flossen Vorzensur und Zensur der mĂŒndlichen PrĂŒfung jeweils zu 50 % ein. Uneindeutige Leistungen wie bspw. 1,5 wurden gerundet, wobei das PrĂŒfungsergebnis in der Regel den Ausschlag gab. Wurde ein SchĂŒler in einem Fach schriftlich und mĂŒndlich geprĂŒft, gingen die Einzelleistungen normalerweise mit jeweils 33 % ein.
Die Vorzensur eines Faches wurde den SchĂŒlern im Vorfeld der schriftlichen und mĂŒndlichen PrĂŒfungen nicht mitgeteilt.
Das Abschlusszeugnis enthielt neben den Einzelnoten in den FĂ€chern ein GesamtprĂ€dikat (Mit Auszeichnung; Sehr gut; Gut; Befriedigend; GenĂŒgend; UngenĂŒgend), das sich aus dem Notendurchschnitt ergab. Der Abschluss der 10. Klasse (POS) berechtigte zur Aufnahme einer qualifizierten Berufsausbildung zum Facharbeiter und einem Studium an einer Fachschule (Krankenschwester, Unterstufenlehrer und Krippen- bzw. Kindergartenerzieher waren ab den 1970er Jahren Fachschulausbildungen).
Der Staat garantierte die Zuteilung eines Ausbildungsplatzes fĂŒr jeden SchulabgĂ€nger. Wer die Lernziele nicht erreichte oder frĂŒhzeitig in das Berufsleben einsteigen wollte, konnte bis in die 1970er Jahre mit dem Abschluss der 8. Klasse ausscheiden, was allerdings die Lehrzeit um ein Jahr verlĂ€ngerte. In den spĂ€teren Jahren war das vorzeitige Beenden der POS nach der achten oder seltener nach der neunten Klasse auf Antrag der Eltern und Zustimmung der Schule ebenfalls möglich, wurde aber seltener praktiziert. Voraussetzung war die Absolvierung der zehnjĂ€hrigen Schulpflicht, der SchĂŒler musste also zwei Schuljahre wiederholt haben bzw. die Schulausbildung fĂŒr weitere zwei Jahre an der Berufsschule fortsetzen. Mit den entsprechenden Abgangszeugnissen konnte eine Berufsausbildung in bestimmten Berufen, vorwiegend in den Bereichen Industrieproduktion, Handwerk und Landwirtschaft, absolviert werden, die dann allerdings oft nur einen Abschluss als (gering qualifizierter) Teilfacharbeiter zulieĂ.
Ein Abschlusszeugnis der POS wird heute in der Regel als dem Realschulabschluss gleichwertig anerkannt, ein Abgangszeugnis der 9. Klasse der POS wird einem Hauptschulabschluss gleichgestellt, ebenso ein Abgangszeugnis der 8. Klasse in Verbindung mit einem darauffolgenden Facharbeiterzeugnis.
Allgemein war das Niveau der Schulbildung an der POS vor allem im mathematisch-naturwissenschaftlichen und technischen Bereich höher als das an einer heutigen Realschule, wÀhrend sie in den sprachlichen FÀchern etwa dem heutigen Standard glich, wobei der Unterschied darin liegt, dass sechs Jahre lang Russisch als erste Fremdsprache gelehrt wurde und Englisch bzw. Französisch nur vier Jahre gelernt werden konnte, wobei die Teilnahme daran freiwillig war.
SchĂŒler, die das Abitur ablegen wollten, wechselten nach der 10. Klasse an die erweiterte Oberschule (EOS). Bis 1981 gab es eine Regel, auĂer nach der 10. Klasse schon nach der 8. mit einer Abiturlaufbahn zu beginnen. Die AbiturschĂŒler einer Schule wurden in einer sogenannten Vorbereitungsklasse (V-Klasse) zusammengefasst und belegten den 9.-Klassen-Jahrgang noch an ihrer bisherigen POS. Solange der Wechsel auf die EOS nach der 8. Klasse erfolgte, wurden an manchen Schulen die verbliebenen SchĂŒler auf neue Klassen aufgeteilt, da der Klassenteiler nicht mehr erreicht wurde.
Alternativ dazu gab es in der DDR die Berufsausbildung mit Abitur. SchĂŒler, die eine technische Fachrichtung an einer Fachschule oder einer Ingenieurhochschule studieren wollten, wĂ€hlten hĂ€ufig diesen Weg. Neben einem Abitur hatte man nach dreijĂ€hriger Lehrzeit eine mehr oder weniger intensive Berufsausbildung in dem ausgewĂ€hlten Beruf. Der Berufspraxis wurde dabei nur unwesentlich weniger Stellenwert zugemessen als bei einer normalen Lehre, da die SchĂŒler meist nach der Lehrausbildung auch in dieser Fachrichtung studierten.
Studenten, die diesen Bildungsweg wĂ€hlten, hatten zwar mit ihren Erfahrungen in der praktischen Arbeit einen erheblichen Vorteil gegenĂŒber EOS-SchĂŒlern, mussten die AbiturfĂ€cher Biologie bzw. Chemie jedoch an Volkshochschulen belegen, wenn sie diese fĂŒr ihr geplantes Studium brauchten, da diese FĂ€cher nicht an Berufsschulen unterrichtet wurden.
SchĂŒler, die an einem Studium im (sozialistischen) Ausland interessiert waren, besuchten die ABF II in Halle.
SchĂŒler der EinschulungsjahrgĂ€nge 1954â1958 legten neben dem Abitur 1966â1970 nach einer gleichzeitig erfolgten Berufsausbildung die FacharbeiterprĂŒfung ab.
Spezialisierung
Neben den ânormalenâ Schulen gab es verschiedene sogenannte Spezialschulen unterschiedlicher Richtungen. Dies waren vor allem die Russischschulen, die Kinder- und Jugendsportschulen, die Spezialschulen mathematisch-naturwissenschaftlich-technischer Richtung und die Spezialschulen fĂŒr Musik. Auf diese konnten SchĂŒler kommen, die auf dem entsprechenden Gebiet besonders gute Leistungen zeigten; dies musste an manchen Schulen in einer AufnahmeprĂŒfung nachgewiesen werden. Ein Platz an einer Spezialschule war auch deshalb begehrt, da diese personell und finanziell besonders gut ausgestattet waren und der Ăbergang auf eine solche Schule oft vor der 9. Klasse erfolgte. Nachdem 1984 die erweiterte Oberschule erst mit der 11. Klasse begonnen hatte, gewannen manche Spezialschulen weiter an Reiz, da sich an diesen der Beginn mit der 9. Klasse nicht verĂ€nderte. An den Spezialschulen wurde in den SpezialfĂ€chern deutlich intensiver und mit einer erhöhten Stundenzahl unterrichtet.
Die Russischschulen (oder an mehrzĂŒgigen Schulen sogenannte R-Klassen) konnten ab der 3. Klasse besucht werden. Diese fĂŒhrten erweiterten intensiven Fremdsprachenunterricht durch, ohne von den sonstigen Anforderungen an polytechnischen Oberschulen abzulassen. Es gab kein spielerisches HeranfĂŒhren der Kinder wie gegenwĂ€rtig in den Grundschulen, sondern ohne Zeitverzug setzte umfangreicher Grammatik- und Orthoepieunterricht ein, der in normalen polytechnischen Oberschulen erst mit der 5. Klasse begann. Das Fach Russisch erteilten jeweils zwei Lehrer pro Klasse, so dass die Lerngruppen sehr klein wurden. Diese Schulen waren relativ weit verbreitet und konnten auch ohne Internat besucht werden. Vergleichsweise selten gab es solche Schulen auch fĂŒr die französische oder die englische Sprache. Weiterhin gab es in vielen Bezirken eine mathematisch-naturwissenschaftliche Spezialschule, auf die besonders mathematik- oder physikbegabte beziehungsweise -interessierte SchĂŒler kamen.
Im Rahmen der staatlichen Sportförderung kam den Kinder- und Jugendsportschulen mit angeschlossenem Internat eine besondere Bedeutung zu, auf die Kinder je nach Sportart in verschiedenen Jahrgangsstufen wechseln konnten. Anders als bei den anderen Spezialschulen war hier ein RĂŒckgang â bei nicht mehr genĂŒgender sportlicher oder auch schulischer Leistung â auf die Heimatschule durchaus normal.
In Berlin, Weimar, Dresden und Halle gab es auĂerdem noch sogenannte Spezialschulen fĂŒr Musik. Die SchĂŒler sollten direkt auf ein Studium an einer Musikhochschule vorbereitet werden. An diese Schulen wechselten die SchĂŒler mit der 6. Klasse.
Organisation und Methoden
Ein Unterrichtstag bestand aus durchschnittlich sechs Unterrichtsstunden, die am Vormittag unterrichtet wurden. UnterstufenschĂŒler hatten eine wöchentliche Unterrichtsbelastung von bis zu 30, Mittel- und OberstufenschĂŒler von höchstens 38 Schulstunden. 36 Wochenstunden stellten die Normbelastung dar, die fĂŒr alle SchĂŒler ab der 5. Klasse als zweifelsfrei zumutbar galt, aber die die Stundentafeln beim Pflichtunterricht nicht ĂŒberschreiten sollten, um Spielraum nach oben zu lassen (fĂŒr etwaigen verstĂ€rkten Sonderunterricht im Falle von Unwegsamkeiten beim Schulwechsel oder fĂŒr weiterfĂŒhrende fakultative Angebote). Doppelstunden (90 Minuten) gab es nur in den oberen Klassen zur DurchfĂŒhrung geschlossener Themen (Experimente), zum Schreiben von umfangreichen Klassenarbeiten oder AufsĂ€tzen, in den FĂ€chern mit praktischer oder körperlicher BetĂ€tigung oder zur Vorbereitung der schriftlichen PrĂŒfungen. Nachmittagsunterricht mit ein bis zwei Unterrichtsstunden (7. und 8. Stunde) an einigen Wochentagen begann mit der 7. Klasse. Bis zum MĂ€rz 1990 war der Sonnabend normaler Schultag mit verkĂŒrztem Unterricht; in den unteren Klassen zwei bis drei und in den höheren nicht mehr als fĂŒnf Stunden. Offiziell wurde am 5. MĂ€rz 1990 der Sonnabend als Unterrichtstag abgeschafft, einige Schulleiter taten dies jedoch (meist in RĂŒcksprache mit den zustĂ€ndigen SchulĂ€mtern) schon frĂŒher. Der Unterrichtsbeginn variierte je nach Schule zwischen 7:00 und 8:00 Uhr. Im Ausnahmefall, der sogenannten nullten Stunde (Beginn beispielsweise 6:40 Uhr bei normalem Schulbeginn um 7:30 Uhr), konnte er jedoch noch frĂŒher liegen.
Im DDR-Fernsehen wurden am Vormittag und frĂŒhen Nachmittag regelmĂ€Ăig Schulfernsehsendungen fĂŒr die folgenden FĂ€cher ausgestrahlt und öfter wiederholt:
1. Chemie
3. Geschichte
4. Heimatkunde
5. Literatur
6. Physik
8. Russisch (ĐŃ ĐłĐŸĐČĐŸŃĐžĐŒ ĐżĐŸ-ŃŃŃŃĐșĐž â Wir sprechen Russisch)
9. Geographie
10. Englisch (English for you).
Zur UnterstĂŒtzung gab es fĂŒr den Sprachunterricht die Zeitschrift ĐĐŸ ĐĄĐČĐ”ŃŃ (Po Swetu) mit Artikeln auf Russisch, aber auch auf Englisch und Französisch und fĂŒr den Mathematikunterricht die Zeitschrift alpha.
Nachdem lange Zeit der Rechenschieber und das Tafelwerk als Rechenhilfe verwendet worden waren, wurde ab dem Schuljahr 1984/85 (beginnend mit den 11. Klassen der EOS) und ab dem Schuljahr 1985/86 ab der 7. Klasse der POS, der Schultaschenrechner SR1 eingesetzt, der fĂŒr subventionierte 123 Mark der DDR (1985: frei 460 Mark) erworben werden konnte oder (wenn auch nur sehr selten) von der Schule zur VerfĂŒgung gestellt wurde. 1987 fanden die letzten AbschlussprĂŒfungen der 10. Klasse in Mathematik statt, die ausschlieĂlich mit dem Rechenschieber und Logarithmentafeln bewĂ€ltigt werden mussten. In den ZwischenjahrgĂ€ngen wurde der Taschenrechner zentral ab dem Schuljahr 1987/88 parallel zu Rechenschieber und Tafelwerk eingefĂŒhrt.
Ănderungen in der Zeit der Wende
In der Zeit der politischen Wende 1989/90 und unmittelbar danach entbrannte eine heftige Diskussion ĂŒber das Schulsystem der DDR. Die Verantwortung fĂŒr die Schulpolitik wurde den BundeslĂ€ndern ĂŒbertragen, daher fielen die VerĂ€nderungen je nach Bundesland unterschiedlich aus.
In allen LĂ€ndern trat das Fach Gemeinschaftskunde an die Stelle von StaatsbĂŒrgerkunde, der Wehrunterricht entfiel. Die FĂ€cher TZ, ESP und PA wurden durch das Fach Technik ersetzt. Auch wurden die ideologische Indoktrination und die Bevormundung bezĂŒglich der Zulassung zur EOS beseitigt. Die Pflicht, Russisch als erste Fremdsprache zu lernen, wurde zu einem Angebot heruntergestuft, das sich aber in der Praxis nicht gegen Englisch als erste Fremdsprache durchsetzen konnte.
Ăberwiegend wurde das Prinzip der Einheitsschule durch die frei gewĂ€hlten Landesparlamente durch das gegliederte Schulsystem ersetzt. Auch der Name âpolytechnische Oberschuleâ verschwand aus dem Sprachgebrauch.
Literatur
⹠René Frenzel (Hrsg.): Die sozialistische Schule. Deutscher Zentralverlag, Berlin 1960.
âą Helmut Klein, Ulrich ZĂŒckert: Lernen fĂŒr das Leben. Panorama, Berlin 1980.
âą Heinz-Elmar Tenorth, Sonja Kudella, Andreas Paetz: Politisierung im Schulalltag der DDR. Durchsetzung und Scheitern einer Erziehungsambition. Deutscher Studien-Verlag, Weinheim 1997, ISBN 3-89271-648-X.
âą Horst Schaub, Karl G. Zenke: Wörterbuch PĂ€dagogik. dtv, MĂŒnchen 2007, ISBN 978-3-423-34346-6.
Quellen
1. VerfĂŒgungen und Mitteilungen des Ministeriums fĂŒr Volksbildung der Deutschen Demokratischen Republik 1946â1990
2. VerfĂŒgungen und Mitteilungen des Ministeriums fĂŒr Volksbildung und des Staatssekretariats fĂŒr Berufsbildung der Deutschen Demokratischen Republik 1959â1990
3. Lehrplanwerk der 10klassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule der Deutschen Demokratischen Republik 1959
4. Lehrplanwerk der erweiterten 12klassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule der Deutschen Demokratischen Republik 1961
5. Lehrplanwerk der 10klassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule der Deutschen Demokratischen Republik 1964/71
6. Lehrplanwerk der Erweiterten allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule der Deutschen Demokratischen Republik 1971
7. Lehrplanwerk der 10klassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule der Deutschen Demokratischen Republik 1982/90
8. Lehrplanwerk der Erweiterten allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule der Deutschen Demokratischen Republik 1980/82
9. Neuner, Gerhart: Allgemeinbildung, Lehrplanwerk, Unterricht Akademie der PĂ€dagogischen Wissenschaften der DDR, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1973
10. Neuner, Gerhart: Allgemeinbildung und Lehrplanwerk Akademie der PĂ€dagogischen Wissenschaften der DDR, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1988
Weblinks
âą Literatur von und ĂŒber Polytechnische Oberschule im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą Umfangreiche Seite mit schulrechtlichen Vorschriften der DDR
Einzelnachweise
cite-note-11. â § 13 Die Aufgaben in anderen Erziehungseinrichtungen der Volksbildung, Gesetz ĂŒber die sozialistische Entwicklung des Schulwesens in der Deutschen Demokratischen Republik vom 2. Dezember 1959, in: Gesetzblatt der DDR. Gesetzblatt I, Nr. 67 S. 859
cite-note-22. â Exposition von Lehrmitteln von der Vorschule bis zur Oberstufe in: Lehrmittel aus der DDR werden in Haiphong ausgestellt. Tageszeitung Neues Deutschland, vom 10. August 1973, S. 4
cite-note-33. â § 1 der Ersten DurchfĂŒhrungsbestimmung zum Gesetz ĂŒber das einheitliche Schulsystem, Schulpflichtbestimmungen vom 14. Juli 1965, in: Gesetzblatt der DDR: Gesetzblatt II, Nr. 83 S. 625
cite-note-44. â Zitat aus: Ăber die sozialistische Entwicklung des Schulwesens in der Deutschen Demokratischen Republik, Thesen des ZK der SED, in: RenĂ© Frenzel (Hrsg.): Die sozialistische Schule. Berlin 1960.
cite-note-55. â § 17 Gesetz ĂŒber die sozialistische Entwicklung des Schulwesens vom 2. Dezember 1959, in: Gesetzblatt der DDR. Gesetzblatt I, Nr. 67 S. 859
cite-note-66. â §§ 18 und 25 Gesetz ĂŒber das einheitliche sozialistische Bildungssystem vom 25. Februar 1965, in:Gesetzblatt der DDR, GBl. I Nr. 6 S. 83
cite-note-77. â Patrick Wagner: Englischunterricht in der DDR im Spiegel der Lehrwerke. Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2016, ISBN 978-3-7815-2094-3, S. 30.
cite-note-88. â Patrick Wagner: Englischunterricht in der DDR im Spiegel der Lehrwerke. Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2016, ISBN 978-3-7815-2094-3, S. 38.
cite-note-99. â Ministerium fĂŒr Volksbildung der Deutschen Demokratischen Republik: VerfĂŒgungen und Mitteilungen Lfd. Nr. 28/59 Anweisung ĂŒber die Stundentafeln der allgemeinbildenden Schulen der Deutschen Demokratischen Republik Vom 4. Mai 1959
cite-note-1010. â Chemiekonferenz des Zentralkomitees der SED und der Staatlichen Plankommission ĂŒber das Chemieprogramm des V. Parteitages, November 1958
cite-note-1111. â âTutzinger MaturitĂ€tskatalogâ Wilhelm Flitner, Westdeutsche Rektorenkonferenz, Kultusministerkonferenz, 1958